Dental Implantologie - Krankengeschichte

Krankengeschichte

Die Krankengeschichte eines Patienten zu erheben, ist für den Implantologen immer der erste Schritt in einem Beratungsgespräch. Die Krankengeschichte umfasst nicht nur zurückliegende zahnärztliche Behandlungen, sondern auch andere ärztliche Maßnahmen. Dies ist sehr wichtig, weil es häufig ältere Menschen sind, bei denen eine Implantatversorgung zur Diskussion steht. Der Implantatspezialist muss sich daher mit einer Vielzahl allgemeinmedizinischer Erkrankungen auseinandersetzen.

Mit zunehmendem Alter leiden immer mehr Menschen an chronischen Erkrankungen wie etwa Bluthochdruck (Hypertonie), Blutgefäßverkalkung (Arteriosklerose), Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus), Rheuma (rheumatoide Arthritis) und Knochenabbau (Osteoporose). Je nach Schweregrad der Erkrankung kann sich eine eingeschränkte Gegenanzeige (relative Kontraindikation) zur Implantation ergeben; dann ist eine Implantation zwar möglich, aber nur unter bestimmten Bedingungen. Der Schweregrad einer Erkrankung bestimmt das Ausmaß einer implantologischen Versorgung. Verbietet sich bei einem Patienten aus medizinischen Gründen zum Beispiel eine aufwendige Knochentransplantation in Verbindung mit Implantaten, so muss dies nicht heißen, dass der Patient nicht mit einer einfacheren, ihn weniger belastenden implantologischen Minimalbehandlung gut versorgt werden kann.

Sollte der Arzt nach dem Beratungsgespräch die Implantationen von vornherein für vollständig unmöglich halten (absolute Kontraindikation), dann wird er keinen Eingriff vornehmen.

Bei schweren Allgemeinkrankheiten dürfen Implantate nicht gesetzt werden, weil die Gefahr des Implantatverlustes höher ist als die Chance der Einheilung, die Behandlung die Krankheit verschlimmern oder der Patient die notwendige Mitarbeit nicht leisten kann. Zu diesen absoluten Kontraindikationen gehören:

  • hämatologische Erkrankungen (z.B. Bluterkrankheit = Hämophilie)
  • schwere Systemerkrankungen, wie z.B. fortgeschrittene Gefäßverkalkung, Immunsuppression (Abwehrschwäche, AIDS)
  • bestimmte Knochenstoffwechselstörungen
  • nicht einstellbare, entgleiste Zuckerkrankheit (Diabetes)
  • psychiatrische Erkrankungen (Depression, Manie, Schizophrenie)
  • frischer Herzinfarkt oder Hirnschlag (Apoplex)

Zum Glück lassen sich viele Allgemeinerkrankungen heute mit Medikamenten so gut behandeln, dass hier oft nur eine relative Kontraindikation zur Implantation besteht. Das heißt, der Implantatchirurg berücksichtigt in diesen Fällen die individuelle gesundheitliche Lage, setzt sich mit dem behandelnden Hausarzt in Verbindung und trifft vor diesem Hintergrund seine Entscheidung für oder gegen den Eingriff. Viele gut eingestellte Bluthochdruckpatienten oder Zuckerkranke sind bestens mit Implantaten versorgt worden. Auch der stabile Herzklappenpatient kann von Implantaten profitieren. Es gibt nur wenige Medikamente, deren Einnahme eine Implantation von vornherein unmöglich machen:

  • Unter dem Einfluss blutverdünnender Medikamente (wie z.B. Marcumar oder Aspirin) können bedrohliche Blutungen auftreten. Das Einbringen von Implantaten ist aber unter Einhaltung bestimmter Vorsichtsmaßnahmen trotzdem möglich.
  • Keinerlei Implantate sollten gesetzt werden, wenn der Patient Steroidpräparate (Kortison) in hoher Dosierung, bewusstseinsverändernde Medikamente (Psychopharmaka) oder Präparate zur bewussten Herabsetzung der körpereigenen Abwehr (Immunsuppressiva) einnimmt. Das ist vor allem bei Transplantationspatienten der Fall.

Auf der anderen Seite muss ein Patient im Rahmen der Implantation unter Umständen zusätzlich Medikamente einnehmen, die ihn vor Entzündungen schützen. So ist die Gabe eines Antibiotikums bei Herzklappenpatienten unbedingt erforderlich, denn während des chirurgischen Eingriffs könnten Keime selbst bei sorgfältigstem Vorgehen aus der Mundhöhle in die Blutbahn gelangen und die Herzklappen schädigen.