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Feminin und Fit

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Veröffentlichung vom 06. Februar 2009

In einem ausführlichen Bericht berichtet die „Feminin und Fit“ über Cosmeceuticals, also Kosmetika mit quasi-medizinischer Wirkung. Vorgestellt werden auch die Produkte von cicé, der Kosmetiklinie von Clinic im Centrum.

Wenn der Arzt zum Cremetopf greift

Schon lange herrscht im Cremeregal absolute Übersättigung: Zig tausend bunte Tuben, Flakons und Flaschen locken mit abenteuerlich klingenden Anti-Age-Inhaltsstoffen, komplizierten Pflegekonzepten und oft ziemlich waghalsigen Slogans. Verwirrung total. Die Rettung bieten jetzt die Halbgötter in Weiß: Dermatologen entwickeln Hautpflegeprodukte.

Ärzte stehen für Kompetenz, Vertrauen und Sicherheit. Sollte sich dieser Vertrauensvorschuss nicht auf eine andere Branche übertragen lassen? Einige Dermatologen sind diesen Schritt gegangen und haben sich mit der Kosmetik vermählt. Das macht Sinn, schließlich haben beide Bereiche die gleiche Leidenschaft: Haut. Selbige möglichst lange gesund, jung und strahlend schön zu erhalten, ist erklärtes Ziel der Verbindung, aus der mittlerweile auch Produkte hervorgegangen sind. Sie sind ein Mix aus Medizin und Kosmetik, aus Wunschtraum und Wirklichkeit. Ihr Name spiegelt diese Verbindung wieder: sie heißen Cosmeceuticals. Dermatologische Kosmetika, auch Doctor Brands (deutsch: Doktor-Marken) genannt. Geboten werden soll ehrliche Kosmetik an der Grenze zur Medizin – rezeptfrei.

„Die Verbraucher sind enttäuscht von der klassischen Parfümerie-Kosmetik und händeringend auf der Suche nach einfachen aber effektiven kosmetischen Pflegelösungen“, erklärt der plastische Chirurg Wilhelm Wolf aus Kitzbühel den Boom der Doctor Brands. Das Motto der Med-Marken: Qualität und Einfachheit. Weniger ist mehr. Und das gilt sowohl für die Verpackung, als auch für die Produktpalette und den sahnigen Inhalt.

„Der Grund für die ständig wachsende Zahl allergischer Hautreaktionen ist nicht selten eine überpflegte Haut“, so der Hamburger Dermatologe Volker Steinkraus. Eine Haut, die non-stop mit neuen Wirkstoffen und Lotionen gefüttert wird, kennt sich bald genauso wenig aus, wie ihr überforderter Besitzer mit dem ständig wachsenden Parfümerie-Angebot.

Die logische Konsequenz: „Rationale Hautpflege“ nennt Steinkraus seine Idee vom kleinen Sortiment mit großer Wirkung. Gemeinsam mit Schweizer Laboratorien hat der deutsche Dermatologe die Skincare SBT (Skin Biology Therapy) kreiert.

Der Ansatz: „Die meisten Hautpflegeprodukte bieten eine Vielzahl von Inhaltsstoffen und Wirkungsweisen. Die Kunst der dermatologischen Hautpflege basiert auf der Reduzierung auf das Wesentliche“, so der Arzt. „Ein gutes Pflegeprodukt sollte nur Inhaltsstoffe enthalten, die der Haut wirklich dienen und sich an ihren biologischen Bedürfnissen orientieren.“

Steinkraus setzt in seinen SBT-Produkten auf eine hautidentische Zell-Nährflüssigkeit namens Cell Culture Phase, in der all das stecken soll, was die Haut zum Glücklichsein braucht: Vitamine, Mineralsalze, Spurenelemente. Die Hautzellen selbst können sich dann spontan bedienen und 24 Stunden lang mit dem optimalen Nährstoff-Mix versorgen.

Das Konzept der anderen Skin-Doctors ist ebenso simpel: Man nehme jeweils nur einen der wirksamsten Power-Stoffe und verpacke ihn in hoher Konzentration in ein Produkt, um damit das gewünschte Resultat zu erzielen. Fältchen glätten, Altersflecken aufhellen, Textur und Tonus des Teints verbessern. Vitamin C gegen freie Radikale, Hyaluronsäure als Hautbefeuchter, hochwertige Frucht- und Vitamin-A-Säuren, um die Zellerneuerung zu beschleunigen.

So weit, so gut. Aber um Kosmetik zu verkaufen, braucht es mehr. In Amerika sind die Skin-Doctors kleine Berühmtheiten. Mit Logo, Corporate-Design & Co. sind sie Aushängeschilder ihrer eigenen Marken. Fast jeder Hollywood-Star hat seinen eigenen Beauty-Guru im weißen Kittel; Normalsterbliche kaufen sich seinen Namen samt Rezeptur in Cremeform in Nobelkaufhäusern oder im Internet.

Besonders erfolgreich in dem Segment ist der US- Dermatologe und Bestsellerautor Dr. Nicholas Perricone, der auch die Ernährung ins Schönheitsprogramm einbezieht und auf Lachs und Omega-3-Fettsäuren schwört.

Ein anderer, Dr. Fredric Brandt, bezeichnet sich selbst als „the man behind beautiful skin“ und setzt in erster Linie auf Pflanzenpower aus Grüntee und Traubenkernextrakten.

Schicke Werbung ist durchaus nicht verpönt: US-Derma-Doctor Audrey Kunin sorgt mit Girlie-Illustrationen auf den Tuben und kecken Produktnamen wie „Wrinkle-Revenge“ („Faltenrächer“) für die nötige Leichtigkeit, die das triste Falten-Thema braucht.

Etwas haben alle Mediziner gemeinsam: Sie versuchen, das Wissen zum Einsatz zu bringen, über das die Dermatologie und ganzheitliche Medizin derzeit verfügt. Aber sie alle kochen letztlich nur mit Wasser.

Eines nämlich wissen besonders Ärzte am besten: Auch die genialste Creme der Welt kann die Haut nicht genetisch umpolen. Wer anti-age-technisch wirklich etwas tun möchte, muss Dr. Beauty persönlich besuchen. Denn neben medizinischem Know-How und weißen Outfits haben Skin-Doctors noch einen riesigen Vorteil: Sie können den entscheidenden Schritt weitergehen – zur OP.

Die New Yorker Skinklinic auf der Fifth Avenue bietet Dermatologie und Medizin unter einem Dach: Das individuelle Rezept für schöne Haut besteht aus harmlosen kosmetischen Ampullen und Facials und wird auf Wunsch mit Kollagen- und Botox-Shots, Laserbehandlungen & Co. unterstützt. Und alles selbstverständlich im stylischen Ambiente – hip wie im Designerhotel.

Auch in der Hamburger Praxis von Volker Steinkraus kann man Full-Service in Anspruch nehmen. Das Dermatologikum und das angegliederte Skin Biology Center warten mit edler Innenarchitektur und einem ganzheitlichen Konzept für schöne Haut auf: Von Masken und Massagen bis hin zu ästhetisch-operativen Eingriffen wie Liposuction, Lid-Lifts, Laser, TCA-Peels u.v.m. wird geboten, was schön und jung machen soll. Trotzdem ist hier alles viel europäischer. „Bei uns steht die Haut im Vordergrund“, sagt Steinkraus. „Die wichtigsten Prämissen sind das unbedingte Festhalten an der eigenen Authentizität sowie eine kritische Haltung gegenüber wissenschaftlich nicht geprüften Methoden.“

Gut im Geschäft sind auch die Kollegen von der Klinik-Kette „Clinic im Centrum“. Auch hier haben die Hautärzte eine eigene Kosmetikmarke kreiert („cicé“) und bieten natürlich gerne ihre operativen Dienste an, wenn die Wirkung der Kosmetik dann doch nicht so ist wie erhofft.

Mittlerweile werden die Cremes und Lotionen nicht nur innerhalb der Kliniken verkauft.Längst schon haben sie den Weg in Kosmetikstudios und Apotheken gefunden.