entry - presse

WirtschaftsWoche

logo wirtschaftswoche

Veröffentlichung vom 11. Mai 2009

Botox und Zahnbleaching an Bord der TUI Cruises! Fachärzte für ästhetisch-plastische Chirurgie von Clinic im Centrum bieten auf dem Kreuzfahrtschiff "Mein Schiff" Beautybehandlungen und professionelle Zahnästhetik an. In der Wirtschaftswoche berichtet TUI-Cruises-Chef Richard Vogel über die Kooperation mit Clinic im Centrum und die Möglichkeit einer Verjüngung an Bord.

„Mit Botox-Spritzen oder Zahn-Bleaching“

Herr Vogel, am Wochenende startet das neue TUI-Kreuzfahrtschiff zu seiner ersten Reise – mitten in der schwersten Wirtschaftskrise seit Bestehen der Bundesrepublik. Gerät Ihr neues Produkt schon auf der Jungfernfahrt in Seenot?
Bestimmt nicht. Sicher, als wir das Joint Venture mit unserem Partner Royal Caribbean im Dezember 2007 starteten, sah die Welt noch anders aus, und natürlich hätten wir uns einen schöneren Zeitpunkt vorstellen können. Aber den kann man sich nicht immer aussuchen.
Ihre Mitbewerber gehen mit Sonderangeboten auf den Markt, Ihr ehemaliger Arbeitgeber Aida verkauft Reisen bei Tchibo…
…das alles werden wir in der Form nicht mitmachen. Wir haben für unser Produkt ein Leistungsversprechen abgegeben und dafür brauchen wir einen bestimmten Preis. Wenn wir den nicht bekommen, stimmt die Kalkulation nicht mehr, und wir müssten Abstriche bei der Qualität machen. Das wollen wir nicht.
Auch TUI Cruises wirbt mit Sonderangeboten: Rabatt für Kinder, Heiratswillige und Flitterwöchner, dazu All-inclusive-Reisen, bei denen Extrakosten für Getränke und bestimmte Restaurants entfallen. Ist die Buchungslage so schlecht?
Mit den Hochzeits- und Flitterwochen-Reisen und den Pauschalpreisen für Kinder sprechen wir abgegrenzte Kundengruppen an. Mit den vier All-inclusive-Reisen wollen wir testen, wie der Markt reagiert. Wir haben an einigen wenigen Stellen etwas nachjustiert, ohne unser Gesamtkonzept und dessen Kalkulation infrage zu stellen.
Wie sieht der typische TUI Cruises-Kunde aus?
Unsere Zielgruppe sind die Babyboomer – Menschen die etwa 40 bis 50 Jahre alt sind, etwas geleistet haben, über eine gute Bildung und ein ordentliches Einkommen verfügen, die Qualität verlangen, die Komfort und Lässigkeit erwarten. Auf deren Bedürfnisse haben wir die Angebote zugeschnitten: Es gibt Büfett-Restaurants und Restaurants mit Service – ohne Zuzahlung, ohne feste Tischzeiten und ohne Dresscode. Wir haben ein großes Spa-Angebot mit klassischen Wellnessanwendungen. Wer will, kann sich bei aber auch ein bisschen verjüngen lassen – mit Botox-Spritzen gegen die Falten oder einem Zahn-Bleaching für das strahlende Lächeln.
Solche Angebote gehörten bisher nicht gerade zur TUI-Kernkompetenz.
Aus diesem Grunde haben wir Kooperationen mit kompetenten Partnern geschlossen: für ein Restaurant mit dem Sylter Gastronom Jürgen Gosch, die Bord-Casinos werden von Century Casinos betrieben, im Spa und bei den Schönheitsanwendungen arbeiten wir mit der Clinic-im-Centrum-Gruppe zusammen.
TUI Cruises ist ein Joint-Venture-Unternehmen mit der US-Reederei Royal Caribbean. Wieso macht die TUI das Geschäft nicht alleine, zumal Sie mit Hapag-Lloyd Kreuzfahrten in Deutschland und Thomson Cruises in Großbritannien schon zwei Produkte im Markt haben?
Da müssen Sie differenzieren. Es gibt Riesenunterschiede in Produkt und Marktsegment. Thomson Cruises mit seinen fünf Schiffen ist ein speziell auf den britischen Markt zugeschnittenes Angebot im unteren bis mittleren Preissegment, Hapag-Lloyd bedient das deutsche Luxussegment, wir mit TUI Cruises liegen genau dazwischen. Auch die Eigentumsverhältnisse sind unterschiedlich: Hapag-Lloyd Kreuzfahrten ist eine 100-prozentige TUI-Konzern-Tochter, Thomson Cruises ist TUI-Travel-plc-Tochter und TUI Cruises ein 50-zu50-Joint-Venture der TUI AG mit Royal Caribbean. Das hat mehrere Vorteile: Unser Partner hat große Erfahrung in dem von uns angepeilten gehobenen Segment. Wir haben ein Schiff übernommen, das wir mit überschaubarem Aufwand unseren Erfordernissen sehr gut anpassen konnten – auf einen eigenen Neubau hätten wir warten müssen und erst drei Jahre später starten können. Zudem nutzen wir das Know-how – beim Umbau des ersten Schiffs, bei künftigen Neubauten und beim laufenden Betrieb.
Bleibt die Frage, warum sich die TUI drei unabhängige Kreuzfahrtanbieter leistet.
Warum nicht? Es sind unterschiedliche Produkte für unterschiedliche Quellmärkte. Synergien lassen sich auch bei gesellschaftsrechtlich unabhängigen Unternehmen realisieren – bei den IT-Systemen arbeiten wir schon zusammen, der gemeinsame Einkauf kommt demnächst. Außerdem stehen wir erst am Anfang.
Und wie sieht der deutsche Kreuzfahrtmarkt 2014 aus?
Im Jahr 2014 hat sich die Kreuzfahrt als feste Urlaubsalternative in der Planung der deutschen Kunden etabliert. Der Markt ist deutlich gewachsen. Und wir als Anbieter werden uns diesem Markt mit entsprechender Flexibilität stellen.
Wann kommt Ihr nächstes Schiff?
Bis 2012 streben wir drei Schiffe an. Ob wir Neubauten in Auftrag geben oder umgebaute Schiffe nutzen, steht noch nicht fest. Allerdings sind die Zeiten für Auftraggeber im Moment günstig wie nie. So gesehen hat sogar die Krise ihr Gutes.