Welt am Sonntag
Veröffentlichung vom 24. Oktober 2009
Die Welt am Sonntag präsentiert einen ausführlichen Erfahrungsbericht über einen Aufenthalt an Bord der „Mein Schiff“ von TUI Cruises. Dabei werden auch die Erlebnisse in der ersten schwimmenden Clinic im Centrum geschildert, die ein umfangreiches Beauty-Angebot unter Einhaltung höchster Qualitätsstandards bietet.
Wellness & Meer
Die Tage gehören der Gesundheit, die Nächte der Stille und Weite unter der Mitternachtssonne
Eigentlich fühle ich mich in meinem weißen Hosenanzug ganz
schick. Gut, ich bin etwas rundlich. „Deine Figur ist genauso ausladend
wie die Schönschrift, die quer über den Schiffsrumpf gemalt ist“,
scherzt mein Mann. Immerhin stehen dort Glücksbegriffe wie
„Sonnenaufgang“, „Meeresrauschen“, oder „Mitternachtssonne“, antworte
ich pikiert. Wir befinden uns auf Deck 11. Trotz ihrer beachtlichen
Außenmaße sieht das erste Kreuzfahrtschiff von TUI Cruises elegant aus
mit ihren 262 Metern Länge. Europas größter Ferienkonzern erwarb die
77.700 Bruttoregistertonnen schwere und 13 Jahre alte amerikanische
„Celebrity Galaxy“, baute sie für 50 Millionen Euro um und nannte sie
werbewirksam „Mein Schiff“. Ich wiege 77.625 Tonnen weniger, gehöre auch
zu den „Best Agern“ und bin bei der Ausfahrt aus der Kieler Hafenmole
vermutlich nicht ganz so topfit wie „Mein Schiff“.
13 Tage möchte ich den Alltag ganz weit weg hinter mir lassen. Nur
entspannt genießen, Kurs Nord – an Norwegens Fjorden bis rauf zum
Nordkap. Eine echte Traumreise. Mit einem Glas Champagner genieße ich
die von Anna Nebtrebko mit Gänsehaut-Stimme gesungene Schiffs-Hymne aus
voll aufgedrehten Lautsprechern beim Auslaufen aus der Kieler Hafenmole.
An diesem ersten Sonnenuntergang springt bei mir gleich der Funke über:
Bis jetzt gefiel mir kein Schiff so gut wie „Mein Schiff“. Entdecke ich
da etwa eine späte Liebe?
Im Buffetrestaurant kommt das Gespräch an den Rundtischen zwischen
Kreuzfahrtkennern und Debüttanten schnell in Fahrt. „Du betrittst das
Schiffs-Foyer und spürst innerhalb von Sekunden: Das ist es!“, sagt Frau
T., Erstfahrerin aus Schwerin. Wohlfühlambiente, edle Holzverkleidung,
modernes Design, klassisch-maritimes Flair und „reichlich Liegestühle
auf den Sonnendecks, ganz großartig“, trägt Frau N aus Nürnberg zu der
Unterhaltung bei.
Auf dieser Nordlandreise sind rund 1.500 Gäste an Bord. Der Mix aus Jung
und Alt ist sehr reizvoll. Die Passagiere fühlen sich als Mitglieder
einer großen Familie. Ihr Altersunterschied macht das Ambiente, die
Verbundenheit zwischen der „Mein Schiff“ und seinen Gästen aus. „Das
Gefühl, nach einem Tagesausflug wieder an Bord zu gehen, ist wie die
Rückkehr nach Hause“, beschreibt es ein Endzwanziger. Es sei wie ein
magisches Erlebnis.
Es gibt zehn öffentliche Decks, davon vier mit insgesamt 962 Kabinen –
eine komfortable Schiffsgröße. 200 Balkone wurden neu angebracht, 200
Balkone verlängert, die Kabinen sind hell, mit frischen Stoffen und
bunten Farben gemütlich und funktional. Sogar TV mit Satellitenprogramm
kann man empfangen. Und Bademäntel liegen schon bereit – so lässt es
sich aushalten.
Es gibt zehn Restaurants und Bistros mit internationaler Küche und
kulinarischen Spezialitäten. Um es vorwegzunehmen: Am besten schmeckt es
mir ganz gediegen an den weiß eingedeckten Tischen im Menü-Restaurant
„Atlantik“ – ohne Sitzung, Platzordnung und feste Tischgesellschaft. Der
Dresscode in diesem doppelstöckigen Hauptrestaurant mit 900 Plätzen ist
klassisch-leger, der Service liebenswürdig. Die asiatischen und
deutschen Kellner schenken den süffigen Hauswein unaufgefordert nach.
Am dritten Seetag fühlt sich die sonnige Brise wie kühle 15 Grad an, ich
lese in meine Decke verpackt im Liegestuhl, als es zwischen Olden und
Trondheim in meinem Rücken schmerzt. Aus gut drei Dutzend Behandlungen
empfiehlt eine der flotten Rezeptionistinnen des SPA & MEER gegen
Hexenschuss eine „Kraft der Elemente“-Massage. In einer Spa-Paarsuite
mit faszinierendem Seeblick streicheln exotisch duftende afrikanische
Marulaöle meine Sinne nach dem Meersalzpeeling. Da reibt, drückt und
knetet die Therapeutin mit warmen Edelsteinen meinen Rücken, himmlisch!
Die Krönung der Wohlfühlwonnen: Rasselnde Bongo-Holzkeulen sollen meine
Rückenschmerzen vertreiben. Dabei säuselt mir die Therapeutin ins Ohr:
„Warum machen Sie zur Vorsicht nicht einen Check-up? Sie sind doch nicht
mehr die Jüngste.“
Also denn: Ein Coach aus dem Team des „Zentrum für Gesundheit“ der
Sporthochschule Köln, die mit TUI Cruises kooperieren, legt mir im
Spa-Fitness-Zentrum Elektroden an Puls, Herz und Beine. Das
computergesteuerte Ergebnis ist niederschmetternd: „Ihr Body-Age liegt
zwei Jahre über Ihrem chronologischen Alter“, diagnostiziert der
Computer auf sieben voll bedruckten Seiten. Nur so viel: Mein
Körpergewicht in der Zusammensetzung von fettfreier Körpermasse und
Fettmasse ist zu hoch und mein Fit-Level zu niedrig. „Wenn es Ihnen
gelingt, Ihre Körperzusammensetzung um die Hälfte der Werte zu
verbessern, könnten acht gesunde Lebensjahre mehr drin sein“, tröstet
mich der Coach und empfiehlt täglich eine Fitness-Stunde. Noch ehe ich
mich beschließen kann, mein genussreiches Schlemmen auf dieser schönen
Cruise durch Möhren, Paprika und Putenbruststreifen zu ersetzen, hat
Teamcoach Inka Leopold den Reduktions-Plan parat. „Morgens Brötchen mit
Marmelade, mittags Mischkost, abends nur eiweißreiche Kost – bitte nur
kleine Portionen.“ Die Ökotrophologin empfiehlt außerdem eine
Bauch-Weg-Lipomassage in der Clinic im Centrum: „Hilft garantiert und
schnell.“
Die Clinic im Centrum in diesem 1.750 qm großen und eleganten SPA & MEER
ist wohl ziemlich einmalig. „Das erste dermatologische Schönheitscentrum
auf einem Kreuzfahrtschiff steht unter der medizinischen Leitung von
Fachärzten für ästhetische Medizin“, lese ich in einem Prospekt. Ob ich
meine Gesichtskonturen betonen, mir vollere Lippen geben oder meine
Stirnfalte glätten lassen möchte – hier kann ich mir mit Hyaluronsäure
oder Botulinumtoxin mein Gesicht auffrischen lassen oder eine
Zahnreinigung mit Bleaching buchen.
Als mir Dr. Susanne Schmidt in der Clinic im Centrum mit zwei Fingern
meine Mundpartie nach oben zieht und mir rundheraus sagt, zu welchen
verschönernden Maßnahmen sie mir rät – „Man müsste Ihre Kinn- und
Stirnfalten unterspritzen und Ihre Lippen aufpolstern“ – werde ich etwas
nachdenklich. Mit meinem Kinn hatte ich bisher keine Probleme, eher
schon mit meinem Bauch. Und schon empfiehlt mich die Ärztin für
ästhetische Medizin an Romana, die Therapeutin für Lipo-Massagen der
Clinic im Centrum. Die tastet meine Problemzonen an Bauch, Oberschenkeln
und Armen ab, überprüft meine Fettzellen in der Haut, stellt den
Härtegrad des Lipo-Massage-IPG-Gerätes ein. „Mit dieser
Saug-Druck-Rollmethode wird der Kopf des Gerätes über die Problemzonen
bewegt“, erklärt sie dabei. Ich schließe die Augen und träume bei dieser
sanften einstündigen ein- und ausrollenden Hautwelle, die meinen
Stoffwechsel fördert und die Fettzellen zielgenau abbaut, wie ich im 32
Grad warmen Whirlpool auf dem Pooldeck relaxe und in der größten
schwimmenden Panorama Sauna beim Aufguss heiße Polarluft schnuppere. Der
nächste Tag: Mit Muskelkater im Bauch laufe ich nach der Lipo-Massage
auf dem Laufband zehn lange Kilometer und bin danach vollkommen fertig.
Richtig happy werde ich abends – meinen Hosengürtel kann ich um ein Loch
enger schnallen! Vor lauter Sehnsucht nach etwas Sünde trinke ich in der
weiß-türkisfarbenen TUI Bar, Gäste-Treffpunkt vor und nach dem
Abendessen, ein Glas Wein. Mit dem zweiten proste ich dem erstklassigen
Pop-Blues-Trio Big Joe Stolle zu. Auf der Höhe von Bergen nehme ich an
der Sushi-Verkostung nach Crosstraining und Lipo-Massage teil und stelle
fest, dass ich ohne Lunch die fünf Häppchen wie nichts verspeist habe.
Später, auf dem Weg ins Theater, kann ich den Torten- und Eiskreationen
an der „Nasch Bar“ nur mit äußerster Willenskraft widerstehen. Essen war
immer die Konstante in meinem Leben.
Zum bayerischen Sonntagsbrunch gönne ich mir freilich ein Weißbier. Aber
für die verbleibenden Bordtage traue ich mich nur noch an die kleinen
Schlemmereien, die man gegen geringen Aufpreis in den fünf Bistros und
im Gourmet-Restaurant Richard’s auftischt: Hummer, Krabbensalat,
Krebsschwänze, Austern bei „Gosch Sylt“, Angus-Steak im „Surf & Turf“,
Tapas im „Tapas y Mas“. Alles köstlich und ohne Saucen sogar
kalorienarm.
In einem der schicken Neuer-Wall-Shops leiste ich mir für den
Abschiedsabend ein hautenges Top zu meinem Bleistiftrock. Mein schlankes
Körperbewusstsein trage ich nicht zur Happy Hour in der „Abtanz Bar“ zu
Modern-Talking-Klängen zur Schau, sondern setze mich nebenan in einem
bequemen Clubsessel der VIP-Lounge, die eigentlich nur für Suiten-Gäste
gedacht ist. Ich bleibe eisern und verzichte auf Kanapees und Sekt vom
üppigen Snack-Buffet und genieße lieber die schöne Bug-Aussicht aus
schrägen Fensterfronten.
Zeit, um Bilanz zu ziehen: Fünf Kilo Gewichtsverlust, der Bauch spürbar flacher und meine Taille kann man wieder erahnen. Dafür braucht man selbst bei der besten aller Diäten mindestens drei Wochen. Aber fünf Kilo in zehn Tagen, Respekt. Bisher hielt ich Bauch-Weg-Hightech-Hilfsmittel immer für Spinnerei. „Mein Schiff“ hat mir neue Perspektiven aufgezeigt. Wege, die ich vorher nicht gesehen habe. Zum Beispiel erwacht mein Körper regelrecht bei guten Gesprächen mit Gleichgesinnten. Meine Sinne sind geschärft: für die Naturschönheiten Norwegens, für die Stille und Weite der Meere, für Spaß und große Gefühle bei der Fülle der Bordanimation. Fazit: Die Kreuzfahrt war ein Traum, für den ich gern Aufschlag gezahlt habe.






