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Frau mit auffallenden dunklen Locken lacht in die Kamera

Implantologie

Risiken und mögliche Komplikationen

Ein Implantat gilt als erfolgreich eingeheilt, wenn es schmerzfrei im Knochen liegt, dort fest verankert ist und den Belastungen der prothetischen Suprakonstruktion standhält. Das Zahnfleisch sollte sauber und reizlos sein und sämtliche Nerven in der Nachbarschaft voll funktionstüchtig. Das ist der Idealzustand, der auch bei den meisten Implantationen erreicht wird. Komplikationen sind bei fachgerechter und sorgfältiger Ausführung selten, können jedoch immer auftreten.

Wenn ein Implantat locker wird

Die früheste Komplikation macht sich unmittelbar nach der Implantation bemerkbar. Das Implantat sitzt nicht fest im Knochen und sollte daraufhin wieder entfernt oder durch eines mit einem größeren Durchmesser ersetzt werden. Ist ein Implantat auch nach mehreren Monaten immer noch nicht fest im Knochen verankert, muss es ebenfalls explantiert, also entfernt werden. Oft zeigt sich dann, dass dieses Implantat nur im Bindegewebe, nicht aber im Knochen eingeheilt war. Länger anhaltende Schmerzen nach einer Implantation können auf eine Entzündung im umgebenden Knochen hinweisen. Unter Umständen stößt der Knochen das Implantat dann wie einen Fremdkörper langsam ab. Auch in diesen Fällen muss das Implantat wieder entfernt werden.

Die meisten Implantate gehen während der mehrmonatigen Einheilphase verloren. Seltener sind späte Lockerungen, zum Beispiel nach dem Anpassen der Kronen. Ursache sind dann nicht selten übermäßige Belastungen durch eine fehlerhaft ausgerichtete Prothese. Das Zahnfleisch entzündet sich, schwillt an, blutet und meist bildet sich auch Eiter. Dass dies für den Patienten sehr schmerzhaft und nur mit schmerzstillenden Medikamenten auszuhalten ist, braucht man nicht zu betonen. Wenn der Arzt die Lockerung des Implantates sogar direkt mit den Fingern ertasten kann, sind diese Implantate in der Regel nicht mehr zu retten.

Derart unglückliche Verläufe bedeuten für den Patienten aber nicht immer gleich das Ende einer implantologischen Versorgung, denn unabhängig von der Ursache und vom Zeitpunkt eines Implantatverlustes kann sich der Kieferknochen nach einer Explantation wieder erholen. Nach wenigen Monaten ist der implantatbedingte Knochendefekt so weit wiederhergestellt, dass eine erneute Implantation möglich ist. Nicht selten kann nach dem Verlust eines einzelnen Implantates die prothetische Suprakonstruktion auch durch die verbliebenen, eingeheilten Implantate weiter getragen werden. Zuvor muss die aufsitzende Brücke oder Prothese jedoch der neuen Situation entsprechend angepasst werden.

Größere Knochendefekte entstehen, wenn mehrere, nebeneinander stehende Implantate verlorengehen – allerdings kommt dies sehr selten vor. Eine ähnliche Situation ergibt sich, wenn ein großes Knochentransplantat nicht einheilt und entfernt werden muss.

Wenn ein Implantat zu lang ist

Nervenschäden treten nur bei Implantationen im seitlichen Unterkiefer auf. Und dann auch nur, wenn der Arzt ein zu langes Implantat ausgewählt hat, das bis in den Nervkanal hineinreicht und den Unterkiefernerv drückt oder sogar durchtrennt. Unmittelbares und anhaltendes Taubheitsgefühl im Bereich der Unterlippen- und Kinnseite sind die Folge. Röntgenkontrollaufnahmen bestätigen meist das zu lange Implantat, welches umgehend entfernt werden muss. Ist der Nerv nur gequetscht, aber nicht durchtrennt worden, kann sich die Gefühlsstörung wieder legen. Allerdings sind die Zeitdauer und das Ausmaß der Nerverholung nicht vorhersehbar.

Blutungen nach Implantationen sind selten. Sie treten vorwiegend im vorderen Unterkieferanteil auf, wenn Implantatbohrer versehentlich zu weit in Richtung Zunge geführt werden. Der Unterzungen- und Mundboden ist sehr reich mit Blutgefäßen versorgt.

Risikozonen bei der Implantation im Oberkiefer sind der vordere Kieferabschnitt unmittelbar unterhalb der Nase und die hinteren Abschnitte im Bereich der Kieferhöhlen. Wird hier ein zu langes Implantat gewählt, besteht die Gefahr der Nasenschleimhaut- oder Kieferhöhlenschleimhaut-Durchbohrung. Man erkennt diesen Zustand oft erst an der fehlenden, knöchernen Einheilung, denn in die Kieferhöhle oder in die Nasenhöhle ragende Implantate sind einer erhöhten Entzündungsgefahr ausgesetzt und können umgekehrt auch zu einer Kieferhöhlenentzündung führen.

Wenn ein Implantat bricht

Übermäßige Kaubelastungen oder Fehlbelastungen infolge ungewollter Scherkräfte sind die Ursache für Brüche im Bereich des Implantatkörpers, der Suprakonstruktion, etwa der Zahnbrücke oder der sie verbindenden Schraubenelemente. Schraubenbrüche sind in der Regel harmlos und wiederholen sich nicht, wenn sie ersetzt und die Ursachen beseitigt worden sind. Brüche im Implantatkörper oder der Suprakonstruktion sind Folge schwerer Fehlbelastungen. In diesen Fällen müssen manchmal das Design und das Konzept der implantologischen Konstruktion neu überdacht und zum Teil verändert werden.

Eher selten sind Implantatbrüche. Auch gebrochene Implantate müssen entfernt werden. Allerdings ist die Explantation ungünstig gebrochener und tief im Knochen liegender Implantatreste oft nur möglich, wenn der Arzt auch einen Teil des umgebenden Knochens mit entfernt. Sind nach einem isolierten Bruch der Suprakonstruktion die Implantate weiterhin fest, kann die Ursache in einer Fehlkonstruktion der Prothese liegen oder in einer krankhaften Störung des Kaumusters.