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Frau mit auffallenden dunklen Locken lacht in die Kamera

Implantologie

Vorraussetzungen zur Implantation

Eine sorgfältige Implantatberatung lässt sich nicht innerhalb weniger Minuten erledigen, sondern kann - je nach Behandlungsaufwand auch bis zu einer Stunde dauern. Je besser ein Patient allerdings vorbereitet ist, desto schneller kann ihm der Arzt ein vorläufiges Behandlungskonzept vorlegen oder ihm sagen „Eine Implantation ist bei Ihnen leider nicht möglich“. Vorbereitet sein heißt: Aufzeichnungen über zurückliegende und aktuelle Erkrankungen (Krankenhausentlassungsberichte, Arztbriefe) sowie Arzneimittel mitbringen. Auf diese Art und Weise gewinnt der Arzt schnell einen Überblick über bestehende Erkrankungen, die unter Umständen eine Implantation von vornherein verbieten oder sie zumindest erschweren.

Zu den grundlegenden Voraussetzungen für eine erfolgreiche Implantatversorgung gehören neben der Erhebung der Krankengeschichte die Untersuchung des Patienten, das Anfertigen von Röntgenaufnahmen, die sorgfältige Behandlungsplanung einschließlich der Auswahl des Implantatsystems und ein engmaschiges Kontrollsystem (Recall). Das klingt aufwendig, und das ist es auch.

Wer mit einem Zahnimplantat seine verloren gegangenen Zähne ersetzen will, sollte wissen, dass er in den kommenden Monaten einem genauen Behandlungsplan folgen muss, um Komplikationen zu vermeiden. Der Lohn dafür ist ein langjährig funktionstüchtiger und nicht von den echten Zähnen zu unterscheidender Zahn.

Auch für Jugendliche gelten besondere Regeln: Zahnimplantate sollten erst eingesetzt werden, wenn das Kieferwachstum abgeschlossen ist. Verfrühte Behandlungen führen im Normalfall nicht zu guten Ergebnissen und oft zu Komplikationen. Es hat sich hierbei als sinnvoller erwiesen, die Zahnlücke zunächst mit einem herausnehmbaren Zahnersatz zu füllen. Oft versuchen Zahnärzte auch, einen beschädigten Zahn mit einer Wurzelbehandlung noch einige Jahre zu erhalten, bis ein Implantat gesetzt werden kann. Bei Mädchen kann der Eingriff meist mit dem 17. Lebensjahr gemacht werden, bei Jungen oft erst mit 18 Jahren.

Farbige Frau mit Locken und Sonnenbrille vor hölzernem Hintergrund

Krankengeschichte

Die Krankengeschichte eines Patienten zu erheben, ist für den Implantologen immer der erste Schritt in einem Beratungsgespräch. Die Krankengeschichte umfasst nicht nur zurückliegende zahnärztliche Behandlungen, sondern auch andere ärztliche Maßnahmen. Dies ist sehr wichtig, weil es häufig ältere Menschen sind, bei denen eine Implantatversorgung zur Diskussion steht. Der Implantatspezialist muss sich daher mit einer Vielzahl allgemeinmedizinischer Erkrankungen auseinandersetzen.

Mit zunehmendem Alter leiden immer mehr Menschen an chronischen Erkrankungen wie etwa Bluthochdruck (Hypertonie), Blutgefäßverkalkung (Arteriosklerose), Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus), Rheuma (rheumatoide Arthritis) und Knochenabbau (Osteoporose). Je nach Schweregrad der Erkrankung kann sich eine eingeschränkte Gegenanzeige (relative Kontraindikation) zur Implantation ergeben; dann ist eine Implantation zwar möglich, aber nur unter bestimmten Bedingungen. Der Schweregrad einer Erkrankung bestimmt das Ausmaß einer implantologischen Versorgung. Verbietet sich bei einem Patienten aus medizinischen Gründen zum Beispiel eine aufwendige Knochentransplantation in Verbindung mit Implantaten, so muss dies nicht heißen, dass der Patient nicht mit einer einfacheren, ihn weniger belastenden implantologischen Minimalbehandlung gut versorgt werden kann.

Sollte der Arzt nach dem Beratungsgespräch die Implantationen von vornherein für vollständig unmöglich halten (absolute Kontraindikation), dann wird er keinen Eingriff vornehmen.

Bei schweren Allgemeinkrankheiten dürfen Implantate nicht gesetzt werden, weil die Gefahr des Implantatverlustes höher ist als die Chance der Einheilung, die Behandlung die Krankheit verschlimmern oder der Patient die notwendige Mitarbeit nicht leisten kann. Zu diesen absoluten Kontraindikationen gehören:

  • hämatologische Erkrankungen (z.B. Bluterkrankheit = Hämophilie)
  • schwere Systemerkrankungen, wie z.B. fortgeschrittene Gefäßverkalkung, Immunsuppression (Abwehrschwäche, AIDS)
  • bestimmte Knochenstoffwechselstörungen
  • nicht einstellbare, entgleiste Zuckerkrankheit (Diabetes)
  • psychiatrische Erkrankungen (Depression, Manie, Schizophrenie)
  • frischer Herzinfarkt oder Hirnschlag (Apoplex)

Zum Glück lassen sich viele Allgemeinerkrankungen heute mit Medikamenten so gut behandeln, dass hier oft nur eine relative Kontraindikation zur Implantation besteht. Das heißt, der Implantatchirurg berücksichtigt in diesen Fällen die individuelle gesundheitliche Lage, setzt sich mit dem behandelnden Hausarzt in Verbindung und trifft vor diesem Hintergrund seine Entscheidung für oder gegen den Eingriff. Viele gut eingestellte Bluthochdruckpatienten oder Zuckerkranke sind bestens mit Implantaten versorgt worden. Auch der stabile Herzklappenpatient kann von Implantaten profitieren. Es gibt nur wenige Medikamente, deren Einnahme eine Implantation von vornherein unmöglich machen:

  • Unter dem Einfluss blutverdünnender Medikamente (wie z.B. Marcumar oder Aspirin) können bedrohliche Blutungen auftreten. Das Einbringen von Implantaten ist aber unter Einhaltung bestimmter Vorsichtsmaßnahmen trotzdem möglich.
  • Keinerlei Implantate sollten gesetzt werden, wenn der Patient Steroidpräparate (Kortison) in hoher Dosierung, bewusstseinsverändernde Medikamente (Psychopharmaka) oder Präparate zur bewussten Herabsetzung der körpereigenen Abwehr (Immunsuppressiva) einnimmt. Das ist vor allem bei Transplantationspatienten der Fall.

Auf der anderen Seite muss ein Patient im Rahmen der Implantation unter Umständen zusätzlich Medikamente einnehmen, die ihn vor Entzündungen schützen. So ist die Gabe eines Antibiotikums bei Herzklappenpatienten unbedingt erforderlich, denn während des chirurgischen Eingriffs könnten Keime selbst bei sorgfältigstem Vorgehen aus der Mundhöhle in die Blutbahn gelangen und die Herzklappen schädigen.

Untersuchung von Kiefer und Zähnen

Natürlich muss der Arzt auch untersuchen, ob Erkrankungen des Kauapparates vorliegen, die entweder eine Implantation verbieten oder diese erst nach einer Vorbehandlung zulassen. So müssen vor einer Implantation zerstörte und nicht erhaltungswürdige Zähne entfernt und Zähne mit Bakterienherd über eine Wurzelspitzenresektion saniert werden. Kariöse Zähne sollten ebenso behandelt werden wie Zahnfleischerkrankungen an noch vorhandenen Zähnen; eine so genannte Parodontoseoperation ist hier die geeignete Therapie.

Aber auch andere zahnmedizinische Probleme können einer Implantation im Wege stehen: Zähneknirschen (Bruxismus), Zungenfunktionsstörungen und Kiefergelenkerkrankungen. Wird zum Beispiel das Zähneknirschen nicht behandelt und beseitigt, werden die Implantate später einer unangebrachten und erhöhten Kaudruckbelastung ausgesetzt. Im gleichen Sinne müssen Kiefergelenkerkrankungen (Gelenkschmerzen, Gelenkscheibenverlagerungen, Ergüsse, Kapselverspannungen, Bewegungsstörungen) behandelt werden, bevor eine Implantation begonnen werden kann.

Der Wunsch des Implantologen: Jeder potentielle Implantatpatient sollte sich vertrauensvoll an ihn wenden und ihm seine medizinischen und zahnmedizinischen Probleme sowie die einzunehmenden Medikamente mitteilen. Nur so kann er unter Abwägung aller Informationen die Entscheidung für oder gegen Implantate treffen. Unter Umständen ist vor einer Implantatversorgung auch nur eine Abänderung der Zusammenstellung der Medikamente erforderlich. Vielfach sind ergänzende allgemeinmedizinische Untersuchungen, die zusätzliche Gabe von Medikamenten, und die Anordnung spezieller Überwachungsmaßnahmen während der Operation notwendig, um eine Implantatversorgung auf medizinisch sichere Beine zu stellen.
Sind all diese wichtigen Begleitumstände geklärt, folgt eine ausführliche klinische Untersuchung. Dabei muss der Ort des Geschehens, also Mund, Kiefer, Gaumen, mit Blick auf die spätere Implantation beurteilt werden. Im Vordergrund steht die Frage: In welchem Zustand befinden sich Knochen und Weichteile im Mund des Patienten? Dabei wird Ihr Arzt mit den Fingern (Palpation) die Höhe und Breite des knöchernen Kieferkammes ertasten. Je höher und dicker der Kieferknochen, desto besser sind die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Implantation. Ist der Kieferknochen weniger als fünf Millimeter breit und acht Millimeter hoch, ist eine Implantation schwierig, denn die Knochenmasse reicht primär nicht aus, um Implantate aufzunehmen.

Grafik Zahnimplantatvoraussetzungen

Vor allem der zahnlose Ober- und Unterkieferseitenzahnbereich setzt einer Implantation natürliche Grenzen:

Der Knochen des Oberkiefers grenzt an die Kieferhöhle, die eine natürliche Verbindung zur Nase besitzt und die eingeatmete Luft filtert und erwärmt (siehe Bild). Ein eingepflanztes Implantat darf die empfindliche Schleimhautauskleidung der Kieferhöhle nicht durchbrechen. Dies kann zu einer Entzündung der Kieferhöhle führen und den Verlust des Implantates nach sich ziehen.

Durch den Knochen im Seitenzahnbereich des Unterkiefers zieht sich ein Nervenstrang (Nervus mandibularis) (siehe Bild), der die Aufgabe hat, die Unterlippe und einen Teil des Kinns mit Gefühl zu versorgen. Erreicht man beim Einpflanzen eines Implantates diesen Nerv oder wird er dabei sogar verletzt, kommt es zu einem Gefühlsausfall im Unterlippen- und Kinnbereich. Je nach Schwere der Verletzung kann dieses „Taubheitsgefühl“ unterschiedlich lang, unter unglücklichen Umständen sogar dauerhaft anhalten. Gerade diese mögliche Komplikation beunruhigt viele Patienten. Immer wieder fragen sie, ob es zu einer Gesichtslähmung oder einem schiefen Gesicht kommen kann. Diese Sorge ist jedoch unbegründet. Es handelt sich bei dem Nervenstrang im Unterkiefer nämlich nicht um den Gesichtsnerv (Nervus facialis), der für die Beweglichkeit und den Gesichtsausdruck (Mimik) zuständig ist.

Sollte in Einzelfällen der Kieferknochen zu dünn sein, kann ein Spezialist trotzdem weiterhelfen. Es gibt nämlich neue Techniken, mit denen man über eine Knochenverpflanzung oder über eine gesteuerte örtliche Knochenneubildung eine Vermehrung des Knochens erreichen kann.

Neben den Knochengegebenheiten müssen vor einer Implantation auch die Zahnfleischverhältnisse geprüft werden. Bei Vollprothesenträgern schrumpft nämlich im Laufe der Zeit häufig der Kieferknochen. Dadurch wird die Zahnfleischauflage scheinbar zu groß. Sie wird locker und entzündet sich leicht, weil die Prothese nur noch hin- und herwackelt und so die empfindliche Schleimhaut reizt. Dieser Zustand, auch als „Schlotterkamm“ bezeichnet, sollte zunächst über eine Zahnfleischstraffung beseitigt werden, um ein gesundes Weichteillager für die Implantate und die entsprechende Suprakonstruktion zu schaffen.

Auch die Lage des Oberkiefers zum Unterkiefer ist sehr wichtig für die spätere Anfertigung eines implantatgetragenen Zahnersatzes. Der Implantatchirurg erkennt sofort, ob sich die Kiefer in einer günstigen Position zueinander befinden. Steht der Unterkiefer zu weit vor und/oder liegt der Oberkiefer zu weit zurück, könnte theoretisch zwar implantiert werden, nur ließe sich dann mit dem Zahnersatz weder abbeißen noch kauen. In diesen Situationen hilft der Kieferchirurg, der die Kiefer über eine operative Verlagerung in eine für die Prothese günstige Position zueinander setzt. Derartige Eingriffe sind allerdings nur in einer Klinik unter Vollnarkose möglich.

Röntgenaufnahmen

Röntgenaufnahmen sind diagnostische Hilfsmittel, die die vorangegangene klinische Untersuchung ergänzen und eine Beurteilung des Kieferknochens erlauben. Die so genannte Panoramaaufnahme gibt Hinweise auf die Höhe des verbliebenen Kieferknochens und seine Beziehung zum Restzahnbestand sowie zu Kieferhöhle, Nasenboden und Unterkiefernervkanal. Auf der so genannten seitlichen Fernröntgenaufnahme sind die Lage der Kiefer zueinander sowie die Höhe und Breite des Restknochens, vor allem im vorderen Bereich, zu erkennen. In besonders schwierigen Fällen lassen sich ganze Kieferabschnitte mit Hilfe von ausgefeilten Röntgentechniken wie der Computertomographie (CT) und der Digitalen Volumentomographie (DVT) sogar naturgetreu dreidimensional darstellen. Diese Untersuchungen sind zwar teuer, geben aber genauestens Auskunft über den verbliebenen Kieferknochen und die beste Position für die Implantate.

Trotz vieler Einschränkungen und Einwände ist es heute möglich, nahezu jedem Patienten bei entsprechender Vorbereitung ein Zahnimplantat einzusetzen. Allerdings sollte sich jeder einzelne Patient nach der Beratung fragen, ob er den unter Umständen großen Aufwand auf sich nehmen will. Wichtig ist, dass er von einem erfahrenen Arzt über alle Eventualitäten aufgeklärt wird.

Bei den allermeisten Patienten müssen vor der Implantation keine größeren Eingriffe vorgenommen werden. Hier kann die Behandlung bereits mit dem nächsten Arzttermin beginnen. Ergänzend werden meist noch Fotos und zahnärztliche Gipsmodelle angefertigt. Sie sollen die anatomischen Kieferverhältnisse, die Gesichtsstrukturen, den Gebisszustand und die Zahnfleischsituation festhalten.